Wer dieser Tage als Niederselterser von Brechen kommend nur genau genug hingeschaut hat, wird es wohl bemerkt haben. Das alte Aussichtstürmchen am ehemals „kahlen, nun bewaldeten Stein“ ist wieder in seiner ganzen, wenn auch betagten Pracht zu sehen, nachdem es seitens des Bauhofs der Gemeinde von Unterholz und Gestrüpp befreit wurde. Vorausgegangen war ein Treffen des Vereins „Mir sein Seldersch“, des Verschönerungsvereins Niederselters und der Gemeinde Selters/Ts. im Herbst letzten Jahres. An diesem Ortstermin kam man überein, dass der bloßen Worte über den baufälligen Zustand dieses Schmuckstücks genug gewechselt seien und man lieber Taten folgen lassen will. Noch im Herbst dieses Jahres und somit pünktlich zur anstehenden 1250-Jahrfeier des Dorfes in 2022 soll die Sanierung dieses Niederselterser Kleinods, die sich an alten Fotos aus der Entstehungszeit orientieren wird, abgeschlossen sein. Alle handwerklichen Arbeiten dazu wird der ortsansässige Schlossermeister und Restaurator Thomas Brühl federführend und ehrenamtlich übernehmen. Das erforderliche Holz stellt die Gemeinde aus dem eigenen Wald zur Verfügung und der gemeindliche Bauhof unterstützt, wo es Not tut. Die Materialkosten in Höhe von etwa 4.500 € tragen zu je einem Drittel der Verschönerungsverein, „Mir sein Seldersch“ und die Gemeinde.

Schmuckstück mit langer Tradition

Es war am 7. September 1902, als sich 24 Niederselterser Bürger in der „Alten Schule“ im Dorfkern trafen und den Verschönerungsverein gründeten, unter ihnen der Brunneninspektor Jean Stoppel, der Bürgermeister Joseph Becker, der Schneidermeister Heinrich Altenheimer, der Landwirt Peter Anton Schickel und der Postverwalter Gustav Becker. Die Aktivitäten des neugegründeten Vereins sollten mit einem besonderen Paukenschlag begonnen werden.

Auf dem „kahlen Stein“ im Eingangsbereich des Niederwaldes wurde kurz nach der Gründung ein Aussichtstürmchen gebaut. 300 Reichsmark – eine stattliche Summe, die der neugewählte Vorsitzende Brunneninspektor Jean Stoppel aus privaten Mitteln aufbrachte – kostete die Errichtung des kleinen Tempels, denn man nun den „Lug ins Land“ nannte. Im Oktober 1902 war der Aussichtspavillon fertiggestellt, der heute noch in der damaligen Bauform existiert. Die Einweihung erfolgte jedoch erst im Sommer des folgenden Jahres, verbunden mit einem genehmigten Waldfest, auf dem heftig gefeiert, getanzt und fässerweise Bier der Brauerei Urban getrunken wurde.

Festliche Einweihung in 2022

Anlässlich der 1250-Jahrfeier von Niederselters in 2022 werden es sich die Beteiligten nicht nehmen lassen, das erneuerte Aussichtstürmchen zusammen mit den Niederselterser Bürgern gebührend einzuweihen. Die Planungen des Verschönerungsvereins Niederselters für ein frühsommerliches Waldfest auf dem „kahlen Stein“ laufen auf Hochtouren und jeder darf sich schon jetzt auf vergnügliche Stunden an diesem besonderen und geschichtsträchtigen Ort freuen.

Ortstermin der Vertreter von Gemeinde, Verschönerungsverein und „Mir sein Seldersch“ mit Restaurator Thomas Brühl (3. von links)

Foto: Christina Scheid